Spezielle Themen der Psychotraumatologie

Geistige, psychische und körperliche Behinderung – ein Einblick in die Traumapädagogik und Traumatherapie

Das Wichtigste in Kürze

Vor allem bei Menschen mit einer Intelligenzminderung werden Traumafolgestörungen in der Praxis übersehen und nicht diagnostiziert. In der Folge bleiben dann auch die nötigen Hilfs- bzw. Therapieangebote aus. Dies, obwohl bekannt, dass gerade bei diesen Menschen das Risiko z.B. körperliche oder sexuelle Gewalt zu erleben, viel grösser ist als bei Menschen ohne Intelligenzminderung. Auch bei Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, die Jahrzehnte in Einrichtungen leben, bleiben Traumafolgestörungen oft unentdeckt. Dass viele traumatisierte Menschen „unerkannt“ auch im stationären psychiatrisch-psychotherapeutischen Setting leben, ist inzwischen durch die Forschung belegt. Als Basis für die Betreuung in Wohnheimen und/oder Kliniken bietet die Traumapädagogik vielversprechende Ansätze – nicht nur für diese Klientel. Im 1. Teil des Moduls werden die wichtigsten Grundlagen und Forschungsergebnisse zum Thema «Trauma» vermittelt, im 2. Teil werden Grundzüge der Traumapädagogik vermittelt, wie „Ein sicherer Ort“, „Der gute Grund“.

Anhand von Fallbeispielen zeigen die Referenten auf, hinter welchen Symptombildern sich komplexe Traumafolgestörungen verbergen können und welche positiven Effekte eine Trauma-informierte Grundhaltung und die entsprechenden Vorgehensweisen in der praktischen Arbeit mit Menschen mit ganz unterschiedlichen Beeinträchtigungen, auch infolge psychischer Erkrankungen, haben kann.

Dozenten: Prof. Dr. Ulrich Elbing und Dipl. Psych. Birgit Mayer

Termin: 09./10. Oktober 2020

 

Migration und Trauma – transkulturelle und traumatherapeutische Kompetenzen in der Behandlung und Beratung von Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund

Das Wichtigste in Kürze

Der Kontakt in der Beratung von als fremd wahrgenommenen Menschen löst in vielen Fachpersonen Neugier aber auch Unbehagen, Unsicherheit und Hilflosigkeit aus. Stereotypen prägen zu Beginn oft von beiden Seiten den Kontakt und erschweren eine hilfreiche Begegnung. Darum werden wir unsere persönlichen Kulturbegriffe und wesentlichen kulturellen Werte, aber auch Stereotypien bewusst machen, mit dem Ziel unsere Handlungsfähigkeit zu stärken und eine transkulturelle Perspektive zu ermöglichen.

Neben wahrgenommener Fremdheit prägen weitere wesentliche Einflüsse die Behandlung und Beratung mit Menschen mit Migrationshintergrund:

Zum einen die Migration selbst, die sich auf die Gesundheit und die Lebenswelt unserer Klienten stark auswirkt. Unfreiwillige Migration, Asylverfahren und rechtliche Rahmenbedingungen in denen sich unsere Klienten bewegen sind wichtige Parameter. Um die Lebenswelt unserer Klienten besser erfassen zu können, werden wir diese Einflüsse kennenlernen. Keilson spricht von der vierten traumatischen Sequenz in der sich Geflüchtete befinden, solange das Asylverfahren nicht abgeschlossen ist und noch keine rechtliche Sicherheit besteht. In dieser Phase besteht eine chronische Mangelsituation, die oft einen grossen Handlungsdruck erzeugt. Wir überlegen wie wir in unseren Arbeitsfeldern damit umgehen können.

Viele v.a. Geflüchtete berichten uns von erlebten Traumatisierungen und Menschenrechtsverletzungen im Heimatland oder während der Flucht. Wir werden ein traumainformiertes Vorgehen, das sich auf den Arbeitskontext der Kursteilnehmenden abstimmt, erarbeiten. Dabei kann je nach Vorwissen der Teilnehmenden das Erkennen und Einordnen von Traumafolgen und Distanzierungstechniken besprochen und geübt werden. Auch weitere spezifische Interventionen, die z.B. das oft grosse Misstrauen dieser Menschen und der Aufbau von Vertrauen aufnehmen, sollen im Vordergrund stehen.

Fallvignetten von Teilnehmenden sind sehr willkommen. Neben Theorievermittlung ist in diesem Kurs auch die Selbstreflexion sowie das Üben anhand von Rollenspielen und Kleingruppenarbeit vorgesehen.

Dozent: Dr. med. Oliver Schwald
Nächstmöglicher Termin:  07./08 Mai 2021

 

Interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Traumatherapie und Traumapädagogik bei traumatisierten Kindern und Jugendlichen

Das Wichtigste in Kürze

Die Zahl der Menschen auf der Flucht hat in den letzten Jahren weltweit stark zugenommen. Seit dem zweiten Weltkrieg waren nie mehr so viele Menschen auf der Flucht wie heute. Verschiedene Studien zeigen, dass man davon ausgehen muss, dass jeder zweite Flüchtling minderjährig ist und diese Kinder und Jugendlichen zunehmend auch alleine flüchten. Nicht selten sind diese jungen Menschen einerseits durch Erlebnisse im Heimatland belastet, erleben potentiell Traumatisches während der Flucht und sind auch nach Ankunft in einem vermeintlich sicheren Asylland durch vielfältige postmigratorische Stressfaktoren zusätzlich belastet. Das kann das „Fass“ trotz der vielen Ressourcen schliesslich zum Überlaufen bringen. Damit nimmt auch die Häufigkeit potentiell traumatisierter Kinder und Jugendlicher zu und die Wahrscheinlichkeit, in beruflichem und/oder privaten Kontext mit traumatisierten minderjährigen MigrantInnen konfrontiert zu sein.

Marianne Herzog ist Traumapädagogin und arbeitet mit seelisch belasteten Kindern und ihrem Umfeld ganz bewusst pädagogisch – traumapädagogisch. Silvan Holzer ist Kinder- und Jugendpsychotherapeut, Notfallpsychologe NNPN. Er arbeitet als Traumatherapeut am Ambulatorium für Kriegs-, Flucht- und Folteropfer in Bern. Neben der therapeutischen Behandlung dieser Kinder und Jugendlichen kann eine Unterstützung im Alltag durch traumapädagogische Handlungsweisen die Wirkung der Therapie unterstützen. Eine erste Stabilisierung durch Traumapädagogik ist aber auch möglich, bevor eine Therapie einsetzt. Dieses interdisziplinäre Miteinander von Therapie und Pädagogik ist sehr effizient und wird von den beiden Kursleitenden in einem spannenden Austausch vorgestellt.

In der Weiterbildung fokussieren wir auf die Auswirkungen der Symptome von Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) oder Traumafolgestörungen auf die sozial-emotionale Beziehungsgestaltung des pädagogischen und alltäglichen Miteinanders. Wir überlegen was traumatisierten Kindern im schulischen Alltag helfen kann. Wie kann auf den einschneidenden Verlust von Vertrauen und Sicherheit eingegangen werden? Wie kann die Schule ein sicherer Ort sein? Welche Hilfsmittel eignen sich speziell gut im Umgang mit belasteten Kindern? Was können die Chancen, aber auch die Risiken und Grenzen der interdisziplinären Zusammenarbeit sein?

Nächstmöglicher Termin: 02./03. Oktober 2020

DozentInnen: Marianne Herzog, Silvan Holzer

 

Transgenerationale Traumatisierung

Das Wichtigste in Kürze

Erstaunlich ist es, wie sehr die unbewältigten traumatischen Erlebnisse früherer Generationen bzw. naher Angehörigen noch einen nachhaltigen Einfluss auf die Seele von Betroffenen haben können.

Die Weitergabe traumatischer Erfahrungen an die nächsten Generationen wird Gegenstand dieses Seminars sein. In einem problemorientierten Ansatz werden anhand von Fallbeispielen die bisherigen Erkenntnisse und Forschungsergebnisse zu Weitergabemechanismen, Symptombildung und Behandlung, primär aus psychodynamischer, bindungstheoretischer und biologischer Hinsicht erarbeitet.

DozentInnen: Dr. med. Katherine Schlag und Oliver Christen, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH

Termin: 20./21. März 2020 – der Kurs wird verschoben

Nächstmöglicher Termin: 14./15. August 2020

 

Posttraumatische Belastungsstörung und somatoforme Symptome und Schmerzen

Das Wichtigste in Kürze

Viele Menschen mit Traumafolgestörungen leiden nicht nur unter den bekannten Symptomen der PTBS sondern auch unter zahlreichen z. T. schwer beeinflussbaren Körpersymptomen bis hin zu ausgeprägten Schmerzen. Häufig handelt es sich dabei um für die Therapeuten schwer zu beeinflussende Symptome. Im Seminar werden zunächst die neurobiologischen Entstehungen der somatoformen Symptome und der Schmerzstörung mit den Zusammenhängen der dysfunktionalen Bindungserfahrungen in der Kindheit diskutiert und dies mit den traumatischen Erfahrungen korreliert. Danach werden die therapeutischen Möglichkeiten der Beeinflussung der Körpersymptome erörtert und anhand von Einzelfalldarstellungen erklärt. Dabei sind eigene Erfahrungen mit Klienten und Fallbeispiele der Teilnehmer erwünscht.

Nächstmöglicher Termin: 12./13. Februar 2021
Dozent: Dr. med. Matthias Kollmann

 

Achtsamkeitstraining BINJA – Stabilisierung und Regulierung bei traumatisierten Kindern

Regelmässig durchgeführte Achtsamkeitstrainings haben nachweislich einen Stress regulierenden Einfluss auf Körper und Psyche. Der bewusste, achtsame Atem hilft das Nervensystem zu regulieren. In diesem Kurs lernen sie die positiven Auswirkungen eines Achtsamkeitstrainings auf die emotionale Stabilität kennen. Sie erfahren geschichtliche und wissenschaftliche Hintergründe und Erkenntnisse von der Anwendung zu den verschiedenen Achtsamkeittools.

Mit dem Bilderbuch «BINJA – meine Reise durch die Welt der Gefühle» erhalten Sie eine Einführung in die Arbeitsmaterialien des Achtsamkeitstrainings, das sie in ihrem schulischen oder sozialpädagogischen Alltag einfach anwenden können. Es ist für Kinder im Alter von 6 – 12 Jahren entwickelt worden. Das Training basiert auf den Kenntnissen des MBSR Trainings und wurde ergänzt mit traumpädagogischen Erkenntnissen, die in die Arbeitsmaterialien für Kinder altersgemäss aufbereitet wurden. Die Kinder lernen sich zu stabilisieren, regulieren und motivieren.

Nächstmöglicher Termin: 27./28. November 2020
Dozentin: Ruth Monstein

 

Stress, Trauma und Regulation in Psyche, Gehirn und Körper

Eine neurobiologische Rundreise

Das Wichtigste in Kürze

Das bio-medizinische Maschinenkonzept weicht immer mehr der Vorstellung, dass der lebendige menschliche Organismus eben keinem zusammengesetzten Konstrukt aus Einzelteilen entspricht. Vielmehr wird der Mensch als Einheit aufgefasst, die ihre Balance im ausgewogenen Zusammenspiel aller Körpersysteme gewinnt. Das Nervensystem – als Träger des Psychischen – führt alle Elemente zusammen und findet sich dabei in komplexer Wechselwirkung mit dem Hormon-, Immun-, Bindegewebs- und Muskelsystem.
Eine herausragende Rolle für das harmonische Miteinander nehmen die autonomen und endokrinen Regulationssysteme ein.
Stress und traumatische Erfahrungen – insbesondere wenn sie sich sehr früh manifestieren – können über eine Beeinflussung der strukturellen und funktionellen Hirnentwicklung zu einer veränderten Funktionalität aller Systeme führen. Vieles spricht dafür, dass damit eine Prädisposition gegenüber psychischen Erkrankungen geschaffen wird.
Der Vortrag führt im Sinne einer „Rundreise“ durch die Grundlagen und aktuellen Befunde zu Stress, Gehirnentwicklung und Regulationsfähigkeit.

Dozent: Mag. Dr. phil. Dr. scient. med. Damir del Monte
Nächstmöglicher Termin: in Vorbereitung

 

wingwave zur Linderung von posttraumatischem Stress

Das Wichtigste in Kürze

Posttraumatischer Stress kann sich durch zahlreiche Symptome zeigen, welche die Lebensqualität von Betroffenen erheblich einschränken. wingwaveâ ist eine wirkungsvolle Methode zur Bearbeitung von überfordernden Stresserlebnissen. Klienten berichten oft bereits nach wenigen Sitzungen von einer Linderung.

Die Methode baut auf der bilateralen Hemisphärenstimulation auf. Mittels einer Grundintervention können REM(Rapid Eye Movement)-Phasen im Wachzustand simuliert werden. Über Muskelfeedback werden Stress auslösende Themen, welche das explizite Gedächtnis nicht abrufen kann, eruiert und bearbeitet. Insbesondere bei Ängsten, Phobien, körperlichem sowie psychischem Stress können mit wingwaveâ gute Resultate erzielt werden.

Im Seminar wird die Methode wingwaveâ vorgestellt und ein Basiswissen vermittelt. Anhand von praktischen Übungen können erste Erfahrungen gemacht und die Wirkung erlebt werden. Als Praktikerin vermittelt die Seminarleiterin zudem Erklärungsmodelle zur Wirkweise der Methode.

Dozentin: Catherine De Clerq
Nächstmöglicher Termin: 30./31. Oktober 2020

 

Methodik der Traumapädagogik

Im Zentrum dieser Weiterbildung steht die Anwendung der Traumapädagogik in der täglichen Arbeit, z.B. als Bezugsperson. Ziel ist es, das psychotraumatologische und traumapädagogische Wissen in der Praxis umzusetzen. Die praktische Vorgehensweise wird verbildlicht, so dass erkennbar wird, was traumapädagogisches Handeln ist. Ein Augenmerk liegt auf den eigenen inneren kognitiven und emotionalen Aufgaben, die dem traumapädagogischen Wirken zugrunde liegen.  Ein weiterer Fokus liegt bei der Zustandsorientierung der Klientin oder des Klienten und den daraus abgeleiteten traumapädagogischen Vorgehen sowie den wichtigsten Methoden.

Die traumapädagogische Anwendung wird an Fällen geübt und diskutiert. Teilnehmende sind eingeladen, eigene herausfordernde Situationen einzubringen, auszuprobieren und die persönliche Handlungskompetenz weiterzuentwickeln.

Dozent: Olaf Stähli, MSc Psychologie

Nächstmöglicher Termin: 04./05. September 2020

 

KreaKtive Hilfe zur Selbsthilfe – ohne viel Worte

Umgang mit traumatiserten Menschen im medizinisch psychosozialen Bereich mit nonverbalen Mitteln

Das Wichtigste in Kürze

Jeder im medizinischen und psychosozialen Bereich hat es mit offensichtlich oder weniger offensichtlich traumatisierten Klienten zu tun, die scheinbar nicht mit Worten erreichbar sind und kreaKtive non verbale Lösungen fordern.

Wie biete ich konkrete Unterstützung an als Hausarzt, Psychiater, klinischer Psychotherapeut, Sozialarbeiter, ehrenamtliche Laienhelfer in der Flüchtlingshilfe – ohne viele Worte? Wie fördere ich die Aufmerksamkeit, Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten dieser Menschen, um den Auftrag in meinem Tätigkeitsbereich konstruktiv umsetzen zu können?

In diesem Seminar werden basale Grundlagen der Psychotraumatologie in Verbindung mit konkreten non-verbalen Interventionen vermittelt, die im medizinisch und psychosozialen Alltag in Variationen anwendbar sind. Die Teilnehmer sind dazu aufgefordert, eigene Beispiele aus ihrem Tätigkeitsbereich in das Seminar mitzubringen. Auf der Ebene der theoretischen Kenntnisse werden gemeinsam individuelle Lösungen gefunden, die für alle Teilnehmer auf den eigenen Bereich kreaKtiv integrierbar sind.

Dozentin: Bea Götz, Ergotherapeutin HF, CAS Best Practice in Ergotherapie (ZHaW), CAS Fachberaterin Psychotraumatologie (SIPT), Integrative Körpertraumatherapie (Markus Fischer)

Nächstmöglicher Termin: 04./05. Dezember 2020

 

Spezialthema: Transgenerationale Traumatisierung
Methodik der Traumapädagogik
Spezialthema: Interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Traumatherapie und Traumapädagogik bei traumatisierten Kindern und Jugendlichen
Spezialthema: Geistige, psychische und körperliche Behinderung- ein Einblick in die Traumapädagogik und Traumatherapie
wingwave zur Linderung von posttraumatischem Stress
Achtsamkeitstraining BINJA – Stabilisierung und Regulierung bei traumatisierten Kindern
KreaKtive Hilfe zur Selbsthilfe - ohne viel Worte
Posttraumatische Belastungsstörung und somatoforme Symptome und Schmerzen
Spezialthema: Migration und Trauma – transkulturelle und traumatherapeutische Kompetenzen in der Behandlung und Beratung von Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund